20 Jahre Theater
2006 bis 2012
Die Anfänge in der ESG
„Suchen Leute zur Gründung einer neuen Theatergruppe. Erstes Treffen: Montag, 20 Uhr, ESG!“ An einem regnerischen Montagabend im Oktober 2006 fing mit einem schlichten Aushang, den jemand sehr präsent in eine Fensterfront am Uni-Gelände platziert hatte, alles an. Aus der ersten Runde interessierter Leute, die sich an diesem Abend in der Evangelischen Studierendengemeinde Braunschweig zusammenfanden, entstand schon bald eine neue Gruppe, die sich mit zeitgenössischer Dramatik beschäftigen wollte. Das erste Theaterstück, Ingrid Lausunds „Hysterikon“, wurde im Juli 2007 mit einfachsten Mitteln aufgeführt. Die ESG platzte bei der Premiere aus allen Nähten – die Premierenfeier im Garten der ESG war legendär und wurde an diesem Abend zur Tradition erhoben. Bei dieser Premiere entstand zudem der erste Theatermitschnitt vom Filmteam Das RundLabor, das einen Großteil der späteren Projekte professionell aufzeichnen sollte.
Durch eine längere Stückfindungsphase wurde das nächste Theaterprojekt erst Ende 2008 begonnen. Arthur Millers „Talfahrt“ kam im Juni 2009 mit einigen Neuzugängen in der Gruppe zur Aufführung. Da zwei Darsteller:innen zu dieser Zeit ebenfalls Mitglieder der Theatergruppe der TU Braunschweig waren, luden sie nach und nach Schauspieler:innen ein, die – wie sie selbst – mehr Interesse an Gegenwartstheater hatten, als an den Klassikern der deutschsprachigen Literatur. Das Schauspiel „Drei Mal Leben“, das im Dezember 2010 Premiere feierte, war das erste Theaterprojekt, das überwiegend aus Darsteller:innen bestand, die zuvor oder parallel Teil der TU-Theatergruppe waren. Außerdem wurde für Yasmina Rezas berühmtes Schauspiel erstmals Beleuchtung aus dem Staatstheater ausgeliehen, um die Inszenierung künstlerisch aufzuwerten. Einen Auszug aus dem Stück präsentierte die Gruppe beim TU Day 2011.
Auf „Drei Mal Leben“ folgte wieder eine längere Such- und Findungsphase, bis Tom Stoppards „Arkadien“ die stark angewachsene Gruppe schließlich überzeugte. Stoppards Stück kam im Januar und nochmals im April 2012 auf die Bühne. Zahlreiche künstlerische Kniffe und einige neue Organisationsstrukturen innerhalb der Gruppe waren nötig, um diese vielschichtige Komödie aufzuführen. Erstmals wurden für das Projekt historische Kostüme aus dem Staatstheater geliehen, ein schwarzer Bühnenmolton wurde angeschafft und großformatige Bühnenelemente gebaut. Außerdem wurden zum ersten Mal die verschiedenen Organisationsbereiche grob aufgeteilt. So übernahm bei „Arkadien“ erstmals eine einzelne Person die komplette Regie, die nicht zeitgleich auf der Bühne stand. Auf diese Weise organisierte sich die Gruppe von Projekt zu Projekt professioneller und fand allmählich größere Aufmerksamkeit in der Braunschweiger Kulturlandschaft. Bei der Premierenfeier gab es ein Exklusivkonzert der Braunschweiger Band Deerwood. Einen Teil von „Arkadien“ zeigte das Ensemble bei der Serenade im Botanischen Garten 2012.
Der Neuanfang im Jahr 2013
Stör & Fried Theater wird geboren
Nach „Arkadien“ hatte sich eine feste Kerngruppe formiert, die zu neuen Ufern aufbrechen wollte. Die ESG war als Aufführungsort zu klein geworden und man wollte sich verstärkt als Teil des studentischen Lebens an der TU präsentieren. Die Idee, eine Studentische Vereinigung zu gründen, fand schnell regen Zuspruch und ein neuer Name musste her. Da man erst etwas aus dem Kürzel ESG ableiten wollte, stand das Symbol der Ente schnell fest, doch ein griffiger Name, einprägsam und offen für Interpretationen zugleich, war erst nach einigen Anläufen gefunden: „Stör & Fried“. Die damaligen Studenten aus der Gruppe unterschrieben den Antrag und nach einigen Anläufen und Behördengängen wurde die Zugehörigkeit zur TU offiziell bescheinigt.
Schon bei „Arkadien“ hatte die Gruppe Fördermittelakquise betrieben und eine großzügige Städtische Förderung erhalten. Darüber hinaus bestand die glückliche familiäre Verbindung zum Antikhof Sander in Sievershausen, der als Hauptsponsor von Requisiten und als Werkstatt für Bauarbeiten zum unverzichtbarsten Partner der Gruppe wurde sowie zu einer Filiale von Jacques‘ Wein-Depot. Für das erste Stör-&-Fried-Projekt, „Unendlicher Spaß“, kam nun noch eine Förderung vom AStA hinzu. Das Geld wurde unter anderem in einen neuen öffentlichen Auftritt investiert. So wurde der Designer Rasmus Bell mit dem Logo beauftragt, das bis heute die Ente vor einem aufgeschlagenen Buch zeigt.
Erstmals wurde für die Bühnenadaption von David Foster Wallace‘ epochalem Roman der Künstler Sascha Dettbarn mit der Gestaltung des Plakats und gleichzeitig mit der Komposition einer eigens für das Stück geschaffenen Musik beauftragt – eine Kooperation, die lange bestand, ebenso wie die Zusammenarbeit mit dem Fotografen Benedikt Jorek, der 2013 erstmals Szenenfotos für Stör & Fried gemacht hat. Das Filmteam Das RundLabor wurde bereits während der Proben in den Entstehungsprozess von „Unendlicher Spaß“ einbezogen. Eine Videosequenz, die Teil des Stücks war sowie ein Trailer wurden vorab produziert. Der Webauftritt der Gruppe wurde grundlegend erneuert und eine neue interne Kommunikationsstruktur mittels Group Office und Cloud angelegt. Außerdem hat Stör & Fried 2013 ohne jeden theaterpädagogischen Hintergrund eine zehnjährige Schülerin ins Ensemble integriert.
Mit der Gründung einer Studentischen Vereinigung ging auch die Aufteilung und Ausdifferenzierung der allgemeinen und projektbezogenen Ämter einher. So gab es erstmals ein ganzes Orga-Team für die Aufführungen, eine eigenständige Einheit für Finanzen und ein Presse-Team. „Unendlicher Spaß“ kam im Juni 2013 im Haus der Wissenschaft zur Uraufführung.
Der Kraftaufwand, den die Uraufführung dieses ersten völlig eigenständigen Projekts für jedes einzelne Stör-&-Fried-Mitglied bedeutete, ist bis heute unvergessen und die Romanadaption wurde nachträglich oft als „Freischwimmer“-Projekt bezeichnet. Kein Wunder, dass die Gruppe sich danach zunächst wieder in etwas ,gesichertere‘ Bahnen begeben wollte.
Nachdem die Gruppe einen Auszug aus „Unendlicher Spaß“ bei der TU Night 2013 präsentiert hatte, wurde sie von der Autorin Rebecca Bilkau angeschrieben, die in Vorbereitung der Uraufführung ihres ersten selbstgeschriebenen Theaterstücks „Playing with History“ auf der Suche nach Schauspieler:innen war. Stör & Fried nahm die Herausforderung an und spielte im November 2013 erstmals im Roten Saal. Dieser sollte in den darauffolgenden Jahren die bevorzugte Spielstätte der Störenfriede bleiben.
2014 bis 2016
Der Mut zum selbstgeschriebenen Stück und zehn Jahre Stör & Fried
Die Umsetzung eines selbstgeschriebenen Stücks hatte Stör & Fried das nötige Selbstbewusstsein gegeben, sich an ein ganz eigenes Schreibprojekt zu wagen. Während zwei Ensemblemitglieder an einem eigenen Stück arbeiteten, probte ein Teil der Gruppe für die Wiederaufnahme von „Drei Mal Leben“, das in Auszügen bei der Braunschweiger KulturNacht im September 2014 sowohl im Theater Fadenschein, als auch im Kleinen Haus des Staatstheaters und zwei Monate später im Roten Saal aufgeführt wurde. Kaum war die Produktion abgespielt, begann die heiße Phase von „SH(AD)OW MEN“ – dem ersten selbst verfassten Theaterstück von Stör & Fried. Ein Teil der Aufbruchsstimmung dieser Zeit wurde in einem Video zum Deerwood-Song „Away we go“ festgehalten.
Dass eine Gruppe mutig und verrückt genug ist, eine Idee von der Geburtsstunde bis zur Uraufführung zu tragen und mitzugestalten, ist nicht selbstverständlich. Stör & Fried hatte bei der Umsetzung von „SH(AD)OW MEN“ genug Erfahrung, Selbstvertrauen, Zusammenhalt und Kreativität erlangt, um eine solche Herausforderung zu meistern. Natürlich gab es auch bei dieser Produktion Meilensteine. So wurden großformatige Porträts des Braunschweiger Künstlers Jonas Karnagel in die Inszenierung einbezogen, die in einem Kunstkatalog verewigt sind.
Erstmals wurde mit Hörspiel-Sequenzen gearbeitet, die im Tonstudio der HBK aufgezeichnet wurden. Für SH(AD)OW MEN konnte die Gruppe außerdem drei neue Sponsoren gewinnen: Die Öffentliche Versicherung, die Braunschweiger Baugenossenschaft eG sowie den Braunschweiger Weinhändler Harald L. Bremer. Das Projekt war eine der am stärksten geförderten Produktionen der Gruppe und hinterließ einen Überschuss in der Stör-&-Fried-Kasse, aus dem zahlreiche Anschaffungen getätigt werden konnten. 2015 war auch das Jahr, in dem der Fundus neue Räumlichkeiten in Sievershausen erhielt.
Das folgende Projekt, Harold Pinters „Die Geburtstagsfeier“, feierte im Mai 2016 Premiere in der Brunsviga. Auch hier gab es Neuzugänge in der Gruppe, die das Projekt entscheidend mitgestalteten. Ein hoher Stellenwert kam bei diesem Klassiker der Moderne dem sehr aufwendig gebauten Bühnenbild zu, das eine Harzer Gastwirtschaft zeigte. „Die Geburtstagsfeier“ war mit drei nahezu ausverkauften Vorstellungen eine der publikumsstärksten Stör-&-Fried-Produktionen.
Bereits zwei Monate später führte eine kleine Einheit aus der Gruppe das zweite selbstgeschriebene Stör-&-Fried-Stück auf: „Verzicht Mein Nicht“ erlebte im Juli 2016 seine Uraufführung im Roten Saal. Als zehnte Produktion im zehnten Jahr des Bestehens der Gruppe markierte das Projekt einen erneuten Meilenstein in der SuF-Geschichte.
„Verzicht Mein Nicht“ war nicht nur das erste Stück, das eine ausführliche Kritik der Braunschweiger Zeitung erhielt, es war auch die erste Produktion, die Stör & Fried an zwei Gastspielterminen außerhalb von Braunschweig präsentierte, nämlich in der Waggonhalle Marburg. Ein Auszug aus dem Stück wurde beim „Marktplatz“ der KreativRegion e. V. im September 2016 gezeigt.

Im November 2016 veranstaltete die Gruppe eine Jubiläumsfeier, die mit den runden Geburtstagen von sechs Mitgliedern gekoppelt und in der Schuntille ausgerichtet wurde.
Die Feier war ein besonderes Highlight in der Stör-&-Fried-Historie und erfreute sich zahlreicher Gäste.
Am 7. Dezember 2016 präsentierte Stör & Fried je einen Auszug aus den beiden selbst verfassten Stücken im Rahmen der Stadtfinder-Folge 5.
2017 bis 2020
Von der Boulevard-Komödie
zur Politsatire
Nach dem Jubiläum erstreckte sich die Stückfindungsphase erneut über einen längeren Zeitraum. Ken Ludwigs Boulevard-Hit „Cyrano in Buffalo“ euphorisierte schließlich die Gruppe, sich erstmals an eine ‚klassische‘ Verwechslungskomödie zu wagen. Bereits bei der Braunschweiger Kulturnacht im Juni 2017 wurde ein Teil des Stücks im Kleinen Haus des Staatstheaters präsentiert. Die Premiere wurde im April 2018 im Roten Saal gezeigt. Die Wiederaufnahme fand im Mai/Juni 2019 im das-KULT-Theater statt „Cyrano…“ war nach „Verzicht mein nicht“ mit insgesamt sechs Aufführungen und der Voraufführung das am häufigsten gespielte Stück der Gruppe.
Schon während die Wiederaufnahme von „Cyrano“ vorbereitet wurde, war die Wahl der Gruppe auf ein neues Theaterstück gefallen: Alistair Beatons Politsatire „Abgefrackt!“ lockte sowohl mit ihrem Gegenwartsbezug als auch mit ihrer brillanten Komik zahlreiche neue Mitspieler:innen an. Mit „Abgefrackt!“ präsentierte sich die Gruppe erstmals im gerade neu eröffneten Braunschweiger KufA-Haus. Die Premiere fand im Oktober 2019 statt.
2020 bis 2025
Corona-Pause führt zur „Achtsamkeit“
Corona zwang die Gruppe, wie das kulturelle Leben insgesamt, zum Pausieren. Kreativ waren die Störenfriede ab 2020 dennoch. Über einen längeren Zeitraum wurden Ideen für einen Themenabend zum Dramatiker Sławomir Mrożek gesammelt – ein Projekt, das jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht umgesetzt wurde. Die Gruppe beteiligte sich in der Zeit erfolgreich an zahlreichen Filmwettbewerben. Zudem wurde ein Filmprojekt mit dem Titel „Ist das so?“ realisiert, das zahlreiche Statist:innen benötigte.
Mit der Kriminalkomödie „Achtsam morden“ war schließlich ein neues Theaterprojekt gefunden, das die Mitspieler:innen ebenso fesselte wie das Publikum bei der späteren Umsetzung. „Achtsam morden“ kam im Januar/Februar 2024 zur Aufführung im Roten Saal.

2026
Horrorkomödie „Die Legende von Sleepy Hollow“ läuft im Roten Saal
2025 begannen die Proben für das Theaterstück „Die Legende von Sleepy Hollow“, das am 11. April 2026 Premiere feierte und am kommenden Wochenende noch zwei Mal im Roten Saal gezeigt wird. Das „Subway-Magazin“ berichtet in der aktuellen Ausgabe ausführlich über das Ensemble.












